{"id":248,"date":"2019-05-02T12:08:17","date_gmt":"2019-05-02T12:08:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.annette-weber-allendorf.com\/?page_id=248"},"modified":"2024-08-27T13:47:36","modified_gmt":"2024-08-27T13:47:36","slug":"texte","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/annette-weber-allendorf.com\/?page_id=248","title":{"rendered":"Texte"},"content":{"rendered":"\t\t<div data-elementor-type=\"wp-post\" data-elementor-id=\"248\" class=\"elementor elementor-248\">\n\t\t\t\t\t\t<section class=\"elementor-section elementor-top-section elementor-element elementor-element-92c5b87 elementor-section-boxed elementor-section-height-default elementor-section-height-default\" data-id=\"92c5b87\" data-element_type=\"section\" data-e-type=\"section\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-container elementor-column-gap-narrow\">\n\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-column elementor-col-100 elementor-top-column elementor-element elementor-element-582c653\" data-id=\"582c653\" data-element_type=\"column\" data-e-type=\"column\">\n\t\t\t<div class=\"elementor-widget-wrap elementor-element-populated\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-76529b7 elementor-widget elementor-widget-text-editor\" data-id=\"76529b7\" data-element_type=\"widget\" data-e-type=\"widget\" data-widget_type=\"text-editor.default\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<p style=\"font-variant-ligatures: normal; font-variant-caps: normal; font-family: Verdana, Geneva, sans-serif; font-size: 18px; font-style: normal; font-weight: 300;\"><span style=\"font-size: 18px; font-weight: 600;\">Prof. Dr. Eva Borst Gedanken zur Ausstellung in Kaiserslautern 2023<\/span><\/p><p style=\"font-variant-ligatures: normal; font-variant-caps: normal; font-family: Verdana, Geneva, sans-serif; font-size: 18px; font-style: normal; font-weight: 300;\"><span style=\"font-size: 18px; font-weight: 600;\">\u00a0<\/span><\/p><p>Sehr geehrte G\u00e4ste,\u00a0<\/p><p>ich begr\u00fc\u00dfe Sie ganz herzlich zur Er\u00f6ffnung von Annette Webers Ausstellung hier in den Lebensr\u00e4umen Tromsdorf. Ein auf den ersten Blick ungew\u00f6hnlicher Ort f\u00fcr eine Kunstausstellung, an dem sich aber das moderne Leben mit der Kunst Annette Webers auf eine unvergleichliche Art verbindet.<\/p><p>feuern \u2013 w\u00e4ssern \u2013 l\u00fcften \u2013 erden<\/p><p>Das Motto weist den Weg.\u00a0<\/p><p>So sehr es zun\u00e4chst auch an allt\u00e4gliche Verrichtungen erinnern mag, ist es doch einger\u00fcckt in die lange Tradition der Vier-Elemente-Lehre, die weit zur\u00fcck geht auf die antike Philosophie der alten Griechen um die Zeit von vor rund 2.700 Jahren und mit Thales von Milet vermutlich ihren Anfang nahm. Interessanter aber noch ist die Tatsache, dass Hildegard von Bingen, sie lebte von 1098 \u2013 1179, dass sich also Hildegard von Bingen sehr eng an die Vier-Elemente-Lehre anlehnte. So schreibt sie, ich zitiere:<\/p><p>\u201eIm Menschen sind Feuer, Luft, Wasser und Erde, und aus ihnen besteht er. Vom Feuer hat er die W\u00e4rme, von der Luft den Atem, vom Wasser das Blut und von der Erde den K\u00f6rper. Dem Feuer verdankt er das Sehen, der Luft das H\u00f6ren, dem Wasser die Bewegung und der Erde seinen Gang.\u201c (Zitatende)<\/p><p>F\u00fcr Hildegard verk\u00f6rperte der Mensch in seiner Alleinheit die Synthese von Feuer, Luft, Wasser und Erde. Er besteht aus ihnen. Sie erm\u00f6glichen es, dass der Mensch existieren kann. Und so k\u00f6nnte man kurz gesagt davon reden, dass es hier, in dieser Ausstellung um das Leben geht. Das befeuert \u2013 bew\u00e4ssert \u2013 bel\u00fcftet und geerdet werden soll.<\/p><p>Ohne Ihren Interpretationsm\u00f6glichkeiten der Werke allzu sehr voraus greifen zu wollen, m\u00f6chte ich behaupten, dass es in Annette Webers Werken immer um das Leben in seinen H\u00f6hen, aber auch Tiefen geht. In all seinen Facetten und Auspr\u00e4gungen.\u00a0<\/p><p>Es gibt aber noch ein weiteres Motiv, auf der Vorderseite der Einladung zu finden: frei. Mit einem imagin\u00e4ren Fragezeichen versehen, steht es auf dem Kopf und gibt R\u00e4tsel auf.\u00a0<\/p><p>Was auf dem Kopf steht, sieht die Welt andersherum. Insofern k\u00f6nnen frei sein nur diejenigen, die den Mut haben, sich auf den Kopf zu stellen, um ihre Sicht auf die Welt zu erweitern, die Perspektive zu wechseln und sich zu fragen, ob all das, was so offensichtlich zu sein scheint, wom\u00f6glich im Hintergrund ganz anders zu uns spricht.\u00a0<\/p><p>Annette Webers Kunstwerke sind in dieser Weise herausfordernd, denn der erste Blick kann t\u00e4uschen. Jeder Botschaft ist eine andere unterlegt und dieser vielleicht auch noch eine weitere. Dies ist das Bemerkenswerteste an Annette Webers Kunstwerken.<\/p><p>Mit Freude begegnet man ihnen, wie etwa den lustigen Fr\u00f6schen. Sie machen Spa\u00df, erheitern und doch steckt hinter ihnen ganz unsichtbar eine lange Geschichte, die im alten \u00c4gypten beginnt.\u00a0<\/p><p>Es ist au\u00dferordentlich reizvoll, Annette von Droste-H\u00fclshoff mit ihren Puff\u00e4rmeln zu begegnen und doch steckt hinter diesen Portr\u00e4ts das Studium einer Biografie wie sie nicht facettenreicher und gebrochener sein kann.\u00a0<\/p><p>Da gibt es die charismatische Paula von Modersohn-Becker, die ihren schwangeren Bauch h\u00e4lt, und doch steht hinter dieser Figur eine uralte kunstgeschichtliche Frage, die zu beantworten eines anderen als des direkten Blickes bedarf.\u00a0<\/p><p>Oder wenden wir uns dem Gem\u00e4lde von Mathilde Vollmoeller-Purrmann zu. Eine Frau als K\u00fcnstlerin, die zu ihren Lebzeiten auf ihre Kunst zugunsten des Ehemanns verzichtete.<\/p><p>Betrachten wir das Schloss Montfort in Langenargen am wild bewegten Bodensee, und doch verbirgt sich dahinter mehr als nur das Portr\u00e4t eines Schlosses.\u00a0<\/p><p>Annette Weber ist in vielen Bereichen des k\u00fcnstlerischen Ausdrucks zu Hause: Malerei, Plastik, Videokunst und Zeichnung wechseln sich ab und zeigen eine gro\u00dfe Vielfalt. Eines vereint aber all diese unterschiedlichen Genres: Die Verbindung von Erfahrung, Historischem und k\u00fcnstlerischem Ausdruck. Annette Weber gr\u00e4bt tief in der Geschichte, deckt auf und bringt Verdr\u00e4ngtes, Ungesagtes und Unsichtbares ans Licht. Sie verleiht den Mathildes, den Paulas, den Annettes ein w\u00fcrdevolles Gesicht, das im Dialog steht mit den Texten von Mascha Kaleko, Gertrud Kolmar, Rose Ausl\u00e4nder u.v.a.m. Ihre L\u00f6wen, die Esel, der Elefant, die Fr\u00f6sche sind alles andere als blo\u00dfe Abbildungen einer spezifischen Spezies. Es sind Symbole f\u00fcr das Leben, dessen Seiten dunkel und hell zugleich sein k\u00f6nnen, wo T\u00e4ter und Opfer sich begegnen, wo auch Vers\u00f6hnung als M\u00f6glichkeit aufscheint.\u00a0<\/p><p>Die Verschmelzung von Poetik und Malerei, von Text und Skulptur sind das Ergebnis einer langen, inspirierenden Tour d\u2019Horizont durch die gelebte Geschichte unseres Jahrhunderts und der Jahrhunderte davor mit der Sehnsucht nach Frieden und Freiheit. Und weil es um diese beiden zutiefst humanistischen Positionen in Annette Webers Kunst geht, ist sie niemals nur anklagend, sondern immer auch positiv gestimmt in der Aussicht auf ein Leben, das kraftvoll feuert, w\u00e4ssert, l\u00fcftet, erdet. Und das verkehrt herum vielleicht besser zu ertragen ist.\u00a0\u00a0<\/p><p>Ich w\u00fcnsche Ihnen einen aufregenden und befl\u00fcgelnden Rundgang durch die Ausstellung.<\/p>\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-b5bfc89 elementor-widget elementor-widget-spacer\" data-id=\"b5bfc89\" data-element_type=\"widget\" data-e-type=\"widget\" data-widget_type=\"spacer.default\">\n\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-spacer\">\n\t\t\t<div class=\"elementor-spacer-inner\"><\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/section>\n\t\t\t\t<section class=\"elementor-section elementor-top-section elementor-element elementor-element-09cdf93 elementor-section-boxed elementor-section-height-default elementor-section-height-default\" data-id=\"09cdf93\" data-element_type=\"section\" data-e-type=\"section\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-container elementor-column-gap-narrow\">\n\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-column elementor-col-100 elementor-top-column elementor-element elementor-element-2bc2c0b\" data-id=\"2bc2c0b\" data-element_type=\"column\" data-e-type=\"column\">\n\t\t\t<div class=\"elementor-widget-wrap elementor-element-populated\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-cf3191d elementor-widget elementor-widget-text-editor\" data-id=\"cf3191d\" data-element_type=\"widget\" data-e-type=\"widget\" data-widget_type=\"text-editor.default\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<p><strong style=\"font-size: 18px;\">Katrin Selitz 2023<\/strong><\/p><p><strong style=\"font-size: 18px;\">\u00a0<\/strong><\/p><p>\u00a0<\/p><p>frei<\/p><p>gehen wir auf den Steg hinaus Richtung Berge, entfernen uns vom Land, bewegen uns ins Offene. Rechts und links Wasser, hinter uns Langenargen mit H\u00e4usern und Caf\u00e9s und Hotels, vor uns die Berge, nebeneinander, hintereinander, unterschiedlich geformt. Sie gefallen uns, erfreuen uns, ihr Anblick macht uns\u00a0<\/p><p>frei<\/p><p>weil sich in ihnen eine Gestaltungskraft offenbart, die auch in uns wirksam ist.\u00a0<\/p><p>Wir sind ein Teil von ihr, Teil der Natur, Teil der Erde. Wir k\u00f6nnen uns von hier nach da bewegen, vom Anfang des Stegs bis zum Ende &#8211; und dar\u00fcber hinaus: mit einem Schiff oder einem Segelboot<\/p><p>frei<\/p><p>f\u00fchlen wir uns, wenn der Wind unsere Segel f\u00fcllt und das Boot \u00fcber den See saust, unfrei, wenn er uns bei der n\u00e4chsten Flaute h\u00e4ngen l\u00e4sst. Der Wind ist ein himmlisches Kind und verwandt mit dem Geist Gottes, der, so wird gesagt, am Anfang der Sch\u00f6pfungsgeschichte \u00fcber dem Wasser schwebte<\/p><p>frei<\/p><p>war man fr\u00fcher in der Familie, in der Gesellschaft vertrauter Menschen, w\u00e4hrend\u00a0<\/p><p>man am Hof h\u00f6\ufb02ich sein musste. Zuhause konnte man reden, wie einem der Schnabel gewachsen war, am Hof nicht. Heute verstehen viele unter Freiheit, zu gehen, wann und wohin man will<\/p><p>frei<\/p><p>zu sein wurde zu einem Menschenrecht und 1776 zum ersten Mal in der Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung von Amerika formuliert. Die Unabh\u00e4ngigkeit musste erk\u00e4mpft werden, denn die Briten wollten zwar weiter Steuern kassieren, aber keine Mitbestimmung zulassen. Der Krieg dauerte sieben Jahre<\/p><p>frei\u00a0<\/p><p>waren jedoch nur wei\u00dfe M\u00e4nner. Die Menschenrechte galten nicht f\u00fcr\u00a0<\/p><p>Frauen, Sklaven und freie Schwarze. Die Delegierten, die aus den dreizehn Staaten von Amerika zusammengekommen waren, unterzeichneten die Erkl\u00e4rung erst, nachdem die Verurteilung der Sklaverei gestrichen worden war<\/p><p>frei<\/p><p>wollten 1789 auch die B\u00fcrger Frankreichs sein, frei von der Herrschaft der Bourbonen, die auf Kosten der einfachen Leute Hof hielten und Politik machten. Die Freiheit f\u00fchrt das Volk nannte Delacroix sein Bild, das zum Inbegriff von Revolutionen wurde. Er hat es aber erst 1830 gemalt, nach den Aufst\u00e4nden gegen Charles X<\/p><p>frei<\/p><p>Ist die Brust der Libert\u00e9. Sie tr\u00e4gt eine rote Jakobinerm\u00fctze und schaut anfeuernd zur\u00fcck, in der einen Hand die Trikolore, in der anderen die Flinte. Neben ihr l\u00e4uft ein Junge mit Baskenm\u00fctze und einer Tasche, die wie eine Kindergartentasche aussieht, aber mit Pulver gef\u00fcllt ist, f\u00fcr die Pistolen, die er in jeder Hand h\u00e4lt<\/p><p>frei<\/p><p>sein wollen viele. Die Franz\u00f6sische Revolution wird von den Armen bewundert\u00a0<\/p><p>und von den M\u00e4chtigen gef\u00fcrchtet. Die Hoffnung auf Freiheit ist ansteckend f\u00fcr alle, die klein gehalten werden. Sie nimmt immer wieder neue Formen an und taucht an einem anderen Ort auf<\/p><p>frei<\/p><p>sein &#8211; wie geht das? Dar\u00fcber wurde zu allen Zeiten nachgedacht. Wie ist Freiheit zu denken, wenn es einen allwissenden Gott gibt? Das hat sich Schelling 1809 gefragt. Es muss etwas im Menschen geben, was seinem Zugriff entzogen ist, sonst w\u00fcrde es wahre Freiheit nicht geben. Wir sind frei, das Gute zu tun, aber auch das B\u00f6se<\/p><p>frei<\/p>\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-dd6ace0 elementor-widget elementor-widget-spacer\" data-id=\"dd6ace0\" data-element_type=\"widget\" data-e-type=\"widget\" data-widget_type=\"spacer.default\">\n\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-spacer\">\n\t\t\t<div class=\"elementor-spacer-inner\"><\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/section>\n\t\t\t\t<section class=\"elementor-section elementor-top-section elementor-element elementor-element-83c6f61 elementor-section-boxed elementor-section-height-default elementor-section-height-default\" data-id=\"83c6f61\" data-element_type=\"section\" data-e-type=\"section\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-container elementor-column-gap-narrow\">\n\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-column elementor-col-100 elementor-top-column elementor-element elementor-element-d65f677\" data-id=\"d65f677\" data-element_type=\"column\" data-e-type=\"column\">\n\t\t\t<div class=\"elementor-widget-wrap elementor-element-populated\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-133a288 elementor-widget elementor-widget-text-editor\" data-id=\"133a288\" data-element_type=\"widget\" data-e-type=\"widget\" data-widget_type=\"text-editor.default\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<p><b>Priv.-Doz. Dr. Ralf Michael Fischer<\/b><br \/><b>Zwischen k\u00fcnstlerischer Selbstentfaltung und Familienpflicht &#8211; Mathilde Vollmoeller\/Mathilde Vollmoeller-Purrmann\u00a0<\/b><\/p><p><strong>\u00a0<\/strong><\/p><p>\u00a0<\/p><p>Zu diesem Aspekt schuf die Langenargener K\u00fcnstlerin Annette Weber anl\u00e4sslich der Aus\u00adstellung \u00bbIm Dialog mit Hans Purrmann\u00ab im Museum Langenargen eine ganze Serie von Bildern, in denen sie sich kritisch mit Vollmoeller-Purr\u00admanns R\u00fcckzug aus dem \u00f6ffentlichen Kunstleben auseinandersetzte.35 Grundlegend war auch hier jene Frage, welche die Besch\u00e4ftigung mit der K\u00fcnstlerin wie ein Leitmotiv pr\u00e4gt: Inwiefern war Mathilde Vollmoel\u00adler-Purrmann eine Unterdr\u00fcckte, ein Opfer, das von einer patriarchalen Gesellschaft an der Selbstverwirklichung gehindert wurde?\u00a0<\/p><p>Tats\u00e4chlich folgte die K\u00fcnstlerin schluss\u00adendlich gesellschaftlichen Konventionen, in\u00addem sie ihrem Ehemann den R\u00fccken freihielt, damit er sich k\u00fcnstlerisch frei entfalten konnte &#8211; dieses Muster war in Beziehungen zwischen K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstlern damals \u00fcblich und wirkt selbst heute noch nach (vgl. S. 170). Annette Weber griff dieses Problem 2019 in ih\u00adrer Pastellzeichnung Portr\u00e4t Vollmoeller auf, in der sie Sabine Lepsius&#8216; Bildnis von 1900 mit subtilen Mitteln neu interpretiert (S. 148, 151). Dass hier die K\u00fcnstlerin im Zentrum steht, die sich un\u00adabh\u00e4ngig von Hans Purrmann entwickelt hat, signalisiert die bewusste Wahl ihres Geburtsna\u00admens.36 Im Gegensatz zum Vorbild ist die Pr\u00e4\u00adsenz der Portr\u00e4tierten einf\u00fchlsam ins Skizzen\u00adhafte zur\u00fcckgenommen &#8211; sie scheint nur noch ein Schatten ihrer selbst zu sein oder ist vielleicht sogar im Verschwinden begriffen. Letztlich will Annette Weber zur Anschauung bringen, dass die K\u00fcnstlerin Vollmoeller buchst\u00e4blich von der Bildfl\u00e4che der Kunstwelt und der Kunstgeschichte verschwunden ist, w\u00e4hrend die Werke Hans Purrmanns beliebte Sam\u00admelobjekte sind und in unz\u00e4hligen Studien diskutiert wurden.<\/p><p>\u00a0<\/p>\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-d5ecc7a elementor-widget elementor-widget-spacer\" data-id=\"d5ecc7a\" data-element_type=\"widget\" data-e-type=\"widget\" data-widget_type=\"spacer.default\">\n\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-spacer\">\n\t\t\t<div class=\"elementor-spacer-inner\"><\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/section>\n\t\t\t\t<section class=\"elementor-section elementor-top-section elementor-element elementor-element-48ef5d3 elementor-section-boxed elementor-section-height-default elementor-section-height-default\" data-id=\"48ef5d3\" data-element_type=\"section\" data-e-type=\"section\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-container elementor-column-gap-narrow\">\n\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-column elementor-col-100 elementor-top-column elementor-element elementor-element-97c5538\" data-id=\"97c5538\" data-element_type=\"column\" data-e-type=\"column\">\n\t\t\t<div class=\"elementor-widget-wrap elementor-element-populated\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-7048a75 elementor-widget__width-initial elementor-widget elementor-widget-text-editor\" data-id=\"7048a75\" data-element_type=\"widget\" data-e-type=\"widget\" data-widget_type=\"text-editor.default\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<p>Montfort<b> Bote 02.06.2023<\/b><\/p><p><b>Mit Annette Weber im Kunstmuseum\u00a0<\/b><\/p><p><strong style=\"font-size: 18px;\">\u00a0<\/strong><\/p><p>\u00a0<\/p><p><span style=\"font-size: 18px;\">Mit dem Kunstmuse\u00ad<\/span><span style=\"font-size: 18px;\">um Langenargen\u00a0<\/span><span style=\"font-size: 18px;\">verbinden viele na\u00ad<\/span><span style=\"font-size: 18px;\">t\u00fcrlich einen gro\u00dfen\u00a0<\/span><span style=\"font-size: 18px;\">Namen: Hans Purr\u00ad<\/span><span style=\"font-size: 18px;\">mann. Dass in Lan\u00ad<\/span><span style=\"font-size: 18px;\">genargen drei zeitge\u00ad<\/span><span style=\"font-size: 18px;\">n\u00f6ssische K\u00fcnst\u00ad<\/span><span style=\"font-size: 18px;\">lerinnen leben, die\u00a0<\/span><span style=\"font-size: 18px;\">mit ihren Werken\u00a0<\/span><span style=\"font-size: 18px;\">gro\u00dfartige Beitr\u00e4ge\u00a0<\/span><span style=\"font-size: 18px;\">zum k\u00fcnstlerischen\u00a0<\/span><span style=\"font-size: 18px;\">Diskurs leisten, war\u00a0<\/span><\/p><p>lange Zeit in der \u00d6f\u00ad<span style=\"font-family: Verdana, Geneva, sans-serif; font-size: 18px; font-style: normal; font-variant-ligatures: normal; font-variant-caps: normal; font-weight: 300;\">fentlichkeit nicht so<\/span><span style=\"font-family: Verdana, Geneva, sans-serif; font-size: 18px; font-style: normal; font-variant-ligatures: normal; font-variant-caps: normal; font-weight: 300;\">\u00a0pr\u00e4sent, wie\u00a0<\/span><span style=\"font-family: Verdana, Geneva, sans-serif; font-size: 18px; font-style: normal; font-variant-ligatures: normal; font-variant-caps: normal; font-weight: 300;\">Dietlinde Stengelin, Inge Kracht und Annette Weber mit ihren Arbeiten verdienen.<\/span><\/p><p>Seit Kurator Ralf Mi\u00adchael Fischer die Ausstellungen konzipiert, sieht das anders aus. Annette Weber nimmt sich Zeit und zeigt dem Montfort-Boten, wo sich ihre eigenen Werke in der aktuellen Schau wiederfinden &#8211; als Atelierbesuch in anderer Form sozusagen.<\/p><p><b>Wer zeigt die andere Seite der Annette von Droste-H\u00fclshoff?\u00a0<\/b><\/p><p>Wir beginnen bei Annette von Droste-H\u00fclshoff. Deren Portr\u00e4t h\u00e4ngt im Erdgeschoss im Flur in einer Reihe mit Ansichten his\u00adtorischer Pers\u00f6nlichkeiten, die in Verbindung zu Langenargen stehen. Schon der Kontrast zu der Bildsprache der historischen Portr\u00e4ts ist bemerkenswert. ,,Vers\u00e4ume ja LA nicht&#8220;, hat An\u00adnette Weber das Konterfei von Droste-H\u00fclshoff genannt. Es ist ein helles und verspieltes Bild, das mit Collagetechniken arbei\u00adtet und oberfl\u00e4chlich betrachtet eine heitere Seite der Dichterin zeigt. Die aktuelle dreiteilige Ausstellung im Haus leuchtet auch das Thema Portr\u00e4t aus und zeigt seine vielen Facetten. Insofern bietet sich \u201eVers\u00e4ume ja LA nicht&#8220; geradezu an, denn wir sehen Droste-H\u00fclshoff hier nicht nur als romantisierte Dichterin und als\u00a0<span style=\"font-size: 18px;\">idealtypische Frau. Annette Weber stellt dieses Bild in Frage und greift zugleich das Morbide im so oft wegen seiner Sch\u00f6nheit ge\u00ad<\/span><span style=\"font-size: 18px;\">lobten Langenargen auf.\u00a0<\/span><\/p><p><b>Nicht alles ist immer sch\u00f6n\u00a0<\/b><\/p><p>Vieles in Annette Webers Werk dreht sich um das Sichtbarmachen:\u00a0<\/p><p>Verborgenes zeigen, Schichten abtragen, Idyllen und Stereotype brechen &#8211; das kennzeichnet ihre Arbeiten. In dem kleinen Raum links von der Treppe im Erdgeschoss hat Kurator Ralf Michael Fischer anl\u00e4sslich der 1250-Jahr-Feier das \u201eBilderbuch Langen\u00adargen&#8220; aufgeschlagen. Hier sind vier weitere Arbeiten von Annette Weber zu finden. ,,Volldampf&#8220; war vor drei Jahren im Kunstpark zu sehen. Es zeigt ein Kreuzfahrtschiff vor der Silhouette Langen\u00ad<span style=\"font-size: 18px;\">argens und erinnert an die brutalen Ansichten von gigantomani\u00adschen Kreuzfahrtschiffen aus der Bucht von Venedig. Dass sie von Ausstellungsbesuchern daf\u00fcr gelobt wird, auch die kritischen Seiten des touristisch stark frequentierten Langenargener Idylls\u00a0<\/span><span style=\"font-size: 18px;\">zu zeigen, wundert Annette Weber fast ein bisschen, wie sie er\u00adz\u00e4hlt. Dass sie so selbstbewusst auf das Unbequeme zeigt, war nicht immer so. ,,Urspr\u00fcnglich wollte ich die Menschen gl\u00fccklich machen mit meiner Kunst, habe die sch\u00f6nen Ansichten bevor\u00adzugt&#8220;, erz\u00e4hlt die K\u00fcnstlerin.\u00a0<\/span><\/p><p>\u00a0<\/p><p>In &#8222;Schlossfritz&#8220; greift Weber die Geschichte von Friedrich von Leube auf, dem behinderten Sohn der Familie von Leube, die einst Schloss Montfort besa\u00df. ,,Home sweet home&#8220; und \u201eWogen\u00a0gegl\u00e4ttet und im S\u00fcnde verlaufen&#8220; besch\u00e4ftigen sich mit der Zeit der Nationalismus im Langenargen. &#8222;Dammhausle&#8220; ist eine Studie zu der Auftragsarbeit, mit der Annette Weber die Verh\u00fcl\u00adlung des Dammh\u00e4usles am Landungssteg w\u00e4hrend der Reno\u00advierung bemalt hatte.\u00a0<\/p><p>Den n\u00e4chsten Halt erreichen wir im ersten Stock bei der Bank im Flur &#8211; ihr Lieblingsplatz im Museum, er\u00adz\u00e4hlt Annette Weber. Hier h\u00e4ngt am Treppenaufgang Wolfgang Hennings Napo\u00adleonportr\u00e4t \u201eDer Herr mit dem besonderen Hut hatte ganz vergessen, dass er schon seit 200 Jahren nicht mehr unter den Le\u00adbenden ist&#8220;. Wolfgang Henning bestreitet einen weiteren Ausstellungsteil in diesem Jahr. Weber hat Hennings Bild als Vorlage f\u00fcr eine handtellergro\u00dfe keramische Kleinskulptur genommen, die sie nun auspackt und zeigt. Annette Weber ist auch in Medium Plastik zu Hause und wird in diesem Sommer wieder einen Keramikworkshop im Kunstmuseum anbieten. Wolfgang Hennings\u00a0\u201eJagdge\u00adsellschaften&#8220; und die \u201eQuerulantenversammlungen&#8220; im Aufgang zum zweiten Stockwerk findet Annette Weber sehr anregend und hervorragend geeignet, um sich skulptural damit auseinanderzu\u00adsetzen. Eine zweite Weber-Plastik hat Kurator Fischer \u00fcbrigens ganz oben platziert: ,,Warten&#8220; ist eine Tonskizze nach Jan Balets\u00a0<\/p><p>&#8222;Warten auf die ,Langenargen&#8220;&#8218;.\u00a0<\/p><p>Und noch ein Medium bespielt Annette Weber &#8211; eine Arbeit zur\u00a0Videokunst gibt es im zweiten Stockwerk zu sehen. Auf einem Tablet l\u00e4uft in Endlosschleife eine Videorecherche, die die K\u00fcnst<span style=\"font-size: 18px;\">lerin bereits 1998 begonnen hat. Ihrem Gegen\u00fcber stellt sie eine\u00a0<\/span>Frage &#8211; die hier nicht verraten wird &#8211; und die spontanen Ant<span style=\"font-size: 18px;\">worten zeichnet Weber auf, schneidet sie und bringt sie wieder zusammen. Gesprochen hat sie mit vielen Menschen an den un\u00adterschiedlichsten Orten, im Kunstmuseum trifft man auf Gesich\u00adter, die im weitesten Sinne etwas mit Langenargen zu tun haben. Bleibt die Frage nach ihrem Lieblingsbild in der aktuellen Schau &#8211; es ist Hennings Napoleonportr\u00e4t. ,,Das Bild hat intellektuell was drauf und es transportiert zugleich eine kindliche Ebene, was ich eben auch versuche&#8220;, sagt Annette Weber.\u00a0<\/span><\/p><p><span style=\"font-size: 18px;\">ela<\/span><\/p>\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-19aca1f elementor-widget elementor-widget-spacer\" data-id=\"19aca1f\" data-element_type=\"widget\" data-e-type=\"widget\" data-widget_type=\"spacer.default\">\n\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-spacer\">\n\t\t\t<div class=\"elementor-spacer-inner\"><\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/section>\n\t\t\t\t<section class=\"elementor-section elementor-top-section elementor-element elementor-element-a36f86c elementor-section-boxed elementor-section-height-default elementor-section-height-default\" data-id=\"a36f86c\" data-element_type=\"section\" data-e-type=\"section\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-container elementor-column-gap-narrow\">\n\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-column elementor-col-100 elementor-top-column elementor-element elementor-element-b190c11\" data-id=\"b190c11\" data-element_type=\"column\" data-e-type=\"column\">\n\t\t\t<div class=\"elementor-widget-wrap elementor-element-populated\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-87c5612 elementor-widget elementor-widget-text-editor\" data-id=\"87c5612\" data-element_type=\"widget\" data-e-type=\"widget\" data-widget_type=\"text-editor.default\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<p style=\"font-variant-ligatures: normal; font-variant-caps: normal; font-family: Verdana, Geneva, sans-serif; font-size: 18px; font-style: normal; font-weight: 300;\"><span style=\"font-size: 18px; font-weight: 600;\">Ralf Michael Fischer (Hg.), \u201cIm Dialog mit Hans Purrmann Kunst der Moderne und Gegenwart in Langenargen\u201d, Museum Langenargen, ISBN 978-3-00-068412-8<\/span><\/p><p style=\"font-variant-ligatures: normal; font-variant-caps: normal; font-family: Verdana, Geneva, sans-serif; font-size: 18px; font-style: normal; font-weight: 300;\"><span style=\"font-size: 18px; font-weight: 600;\">\u00a0<\/span><\/p><p style=\"font-variant-ligatures: normal; font-variant-caps: normal; font-family: Verdana, Geneva, sans-serif; font-size: 18px; font-style: normal; font-weight: 300;\">Annette Weber (geb. 1957) ist in verschiedenen Medien wie Malerei, Zeichnung, Plastik und auch Videokunst zuhause. Im Vorfeld dieser Ausstellung hat sie sich in einen indirekten kritischen Dialog mit Hans Purrmann begeben, indem sie in einer ganzen Bilderserie nach den Lebensbedingungen von Mathilde Vollmoeller-Purr\u00admann als K\u00fcnstlerin und K\u00fcnstlergattin fragt. Ohne die Unterst\u00fctzung seiner Frau und die Beendigung ihrer Karriere h\u00e4tte sich Purrmann n\u00e4mlich schwerlich so intensiv auf seine Kunst konzentrieren k\u00f6nnen. Weber fertigte Portrait Vollmoeller 2019 (Abb. 38) nach einem markanten \u00d6lportr\u00e4t an, das deren erste Lehrerin Sabine Lepsius (1864-1942) um 1900 von der Mittzwanzigerin anfertigte.<span style=\"line-height: 0; font-size: 13.5px; position: relative; top: -0.5em;\">83<\/span>\u00a0Der skizzenhafte Stil der Zeichnung thematisiert Mat\u00adhilde Vollmoeller-Purrmanns Gesicht vor dem &#8222;Fast\u00adVerschwinden&#8220;<span style=\"line-height: 0; font-size: 13.5px; position: relative; top: -0.5em;\">84<\/span>\u00a0und reflektiert dergestalt ihre durch gesellschaftliche Konventionen bedingte Verdr\u00e4ngung aus der Kunstgeschichte im Schatten ihres Ehemanns. Innerhalb der Ausstellung ist auch eine umgekehrte Wahrnehmung m\u00f6glich, denn inmitten ihrer Aquarelle scheint ihr Gesicht wieder Gestalt anzuneh\u00admen. Auf jeden Fall w\u00fcrdigt Annette Weber das Talent, aber auch das gro\u00dfe Opfer von Purrmanns Ehefrau und sie verleiht ihr mitsamt ihrem Schicksal verst\u00e4rkte Sichtbarkeit. Der gezeichnete Rahmen um Vollmoeller-Purrmanns Kopf ist nicht nur als Anpassung des Bildformats gedacht, sondern er soll ihre &#8218;Gefangenschaft&#8216; in gesellschaftlichen Bedingtheiten visualisieren, die sie an einer freien Entfaltung ihrer k\u00fcnstlerischen Begabung gehindert hat.<span style=\"line-height: 0; font-size: 13.5px; position: relative; top: -0.5em;\">85<\/span><\/p><p style=\"font-variant-ligatures: normal; font-variant-caps: normal; font-family: Verdana, Geneva, sans-serif; font-size: 18px; font-style: normal; font-weight: 300;\">Die Praxis einer interpretierenden Aneignung des Bildmaterials an\u00adderer pr\u00e4gt auch weitere Bilder aus Webers Serie. Sehnsucht nach dem Anderen, ebenfalls von 2019 (Abb. 39), formu\u00adliert das Detail einer Fotografie um, die als Umschlagmotiv der gleichnamigen Publikation der fr\u00fchen Korrespon\u00addenz mit Hans Purrmann fungiert und Vollmoeller-Purrmann w\u00e4hrend der Hochzeitsreise 1912 in Ajaccio zeigt.86 Indem Weber ein schmales Hochformat der stehen\u00adden Mathilde Vollmoeller-Purrmann herausl\u00f6st und nach oben wenig Luft l\u00e4sst, betont sie auch hier ein Gef\u00fchl der Beengung. Wie Stengelin arbeitet Weber mit Schichtungen, die sie in einem skiz\u00adzenartigen Stil verdichtet. Dabei reichert sie das Motiv subversiv an, indem sie in bzw. hinter dem Rock Vollmoeller-Purrmanns eine Landschaft mit Schloss Montfort platziert, die man aber nur erkennt, wenn man den Kopf um 90\u00b0 nach links neigt. Im Entstehungskontext von Webers Serie erf\u00e4hrt der Titel in der Tat eine Umdeutung: Im Gegensatz zur Briefedition scheint nicht die Sehnsucht der Liebenden nach ihrem Geliebten auf, sondern die Sehnsucht der K\u00fcnstlerin nach dem, worauf sie als Ehefrau verzichten muss.<\/p><p style=\"font-variant-ligatures: normal; font-variant-caps: normal; font-family: Verdana, Geneva, sans-serif; font-size: 18px; font-style: normal; font-weight: 300;\">Auch Algenschloss entstand 2019 (Abb. 41). Das Gem\u00e4lde pr\u00e4sen\u00adtiert zwar einen Blick auf Schloss Montfort, wie wir ihn speziell von Hans Purrmann kennen, doch der dominante giftgr\u00fcne Farbton sticht zu intensiv ins Auge, um eine \u00e4hnlich idyllische Wirkung zu entfalten. In diesem Bild greift Annette Weber hintersin\u00adnig ein aktuelles Problem auf, das nicht zuletzt auf die Klimaerw\u00e4rmung zu\u00adr\u00fcckzuf\u00fchren ist: die Ge\u00adfahr eines enthemmten Algenwuchses am Boden\u00adsee, wie er in Langenargen tats\u00e4chlich bereits aufge\u00adtreten ist &#8211; es handelt sich um ein Freilichtbild, das die K\u00fcnstlerin bei ihrer Woh\u00adnung &#8222;am stinkend in der Sommersonne brodeln\u00adde[n] gr\u00fcnen Algen-Strand&#8220; schuf.87 Mit diesem Thema f\u00fchrt Weber mit Nachdruck vor Augen, dass die Um\u00adwelt aus dem Gleichge\u00adwicht geraten ist. Die gr\u00fcne Farbe wirkt wie ein Schleier, der zwischen uns und der eigentlich sch\u00f6nen Szenerie aufsteigt und evo\u00adziert mit visuellen Mitteln den Gestank, der solche &#8218;Algeninvasionen&#8216; zu begleiten pflegt. Es herrscht buchst\u00e4blich &#8218;dicke Luft&#8216;, zugleich aber auch eine farbliche Stimmigkeit, die nicht zu aggressiv, sondern eher ausdrucksstark-zwiesp\u00e4ltig daherkommt. Eine solche Ambivalenz ist dem Thema angemessen, denn Annette Weber verbindet \u00c4sthetik und kritisches inhaltliches Anliegen, um einer bitteren Ironie Ausdruck zu verleihen: Die mediterrane Bodenseeatmosph\u00e4re, die Purrmann zum Ausgangspunkt seiner idyllischen Bildsch\u00f6pfungen machte, gr\u00fcndet in den gleichen Bedingungen wie die optisch-olfaktorische (Zer-) St\u00f6rung der Szenerie, n\u00e4mlich in Hitze und viel Licht! Die Doppeldeutigkeit von Algenschloss setzt sich im Wortspiel des Titels fort, der unzweideutig auf die Bezeichnung<\/p>\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-ecbf33b elementor-widget elementor-widget-spacer\" data-id=\"ecbf33b\" data-element_type=\"widget\" data-e-type=\"widget\" data-widget_type=\"spacer.default\">\n\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-spacer\">\n\t\t\t<div class=\"elementor-spacer-inner\"><\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/section>\n\t\t\t\t<section class=\"elementor-section elementor-top-section elementor-element elementor-element-23a5701 elementor-section-boxed elementor-section-height-default elementor-section-height-default\" data-id=\"23a5701\" data-element_type=\"section\" data-e-type=\"section\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-container elementor-column-gap-default\">\n\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-column elementor-col-100 elementor-top-column elementor-element elementor-element-9ef3702\" data-id=\"9ef3702\" data-element_type=\"column\" data-e-type=\"column\">\n\t\t\t<div class=\"elementor-widget-wrap elementor-element-populated\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-7af9899 elementor-widget elementor-widget-text-editor\" data-id=\"7af9899\" data-element_type=\"widget\" data-e-type=\"widget\" data-widget_type=\"text-editor.default\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<p data-elementor-setting-key=\"title\" data-pen-placeholder=\"Eingabe hier...\"><span style=\"color: #ffffff;\"><strong>Prof. Dr. Eva Borst \u201ewalking ideas\u201c, 1. Juni 2019<\/strong><\/span><\/p><p data-elementor-setting-key=\"title\" data-pen-placeholder=\"Eingabe hier...\"><span style=\"color: #ffffff;\"><strong>\u00a0<\/strong><\/span><\/p><p><span style=\"color: #ffffff;\">Liebe Annette,<\/span><\/p><p><span style=\"color: #ffffff;\">es ist nicht\u00a0ganz einfach, diese Einf\u00fchrung in Dein 40j\u00e4hriges Wirken zu bewerkstelligen,\u00a0nicht nur, weil Du in diesen 40 Jahren eine F\u00fclle an Kunstwerken geschaffen\u00a0hast. Sondern auch, weil Du Dich immer wieder denkend, f\u00fchlend, nach Ausdruck\u00a0suchend auf sehr unterschiedliche Wege begeben hast: Walking Ideas \u2013 40 Years<\/span><br \/><span style=\"color: #ffffff;\">Gewisserma\u00dfen obsessiv suchtest Du nach neuen Formen, die, bei n\u00e4herer Betrachtung durch ein\u00a0unsichtbares Band irgendwie zusammengehalten werden. Nun, wenn ich das in aller\u00a0K\u00fcrze aufz\u00e4hlen darf: Du hast Brunnen gebaut, \u00fcberlebensgro\u00dfe Skulpturen\u00a0geschaffen, hast Dich auf das Abenteuer der Videokunst eingelassen, Malerei\u00a0sowieso und, unter anderem, um Dir das unabh\u00e4ngige Leben einer freischaffenden\u00a0K\u00fcnstlerin zu finanzieren, kleine feine Statuetten aus Ton geformt. Nebenbei,\u00a0das darf nicht fehlen, hast Du Dich an der verg\u00e4nglichen Kunst der Performance\u00a0beteiligt. Die Genres, in denen Du t\u00e4tig bist, sind hiermit erst einmal\u00a0abgehandelt. Aber was w\u00e4re die Form ohne Inhalt?<\/span><\/p><p><span style=\"color: #ffffff;\">Es war mir bei\u00a0der Vorbereitung zu diesem Vortrag ein au\u00dferordentliches Vergn\u00fcgen\u00a0festzustelle, dass, bei allem Humor, der vielen Deinen Kunstwerken zu eigen\u00a0ist, sozusagen hintergr\u00fcndig \u2013 also hintendran \u2013 unausgesprochen etwas\u00a0mitl\u00e4uft, das man als Alterit\u00e4t bezeichnen kann. Das Andere! Das Andere als\u00a0M\u00f6glichkeit! Oder genauer noch: das Andere als eine Kritik an der kulturellen\u00a0Tradition, die auch h\u00e4tte anders verlaufen k\u00f6nnen, h\u00e4tten die Menschen es nur\u00a0zugelassen. Du bist also im wahrsten Sinne des Wortes Perspektivwechslerin und\u00a0Grenzg\u00e4ngerin in einem: non-konformistisch &#8211; immer, herausfordernd &#8211; dauerhaft,\u00a0anarchisch \u2013 manchmal, dabei aber stets risikobereit, weil Du zwar mit Deiner\u00a0Kunst Freude bereiten willst, andererseits aber h\u00f6chst provokativ die Ordnung,\u00a0das Selbstverst\u00e4ndliche in Frage stellst.<\/span><\/p><p><span style=\"color: #ffffff;\">Und damit sind\u00a0wir beim Inhalt. Der kommt zun\u00e4chst einmal ziemlich unaufgeregt daher. Aber: er\u00a0sprengt Fesseln, kraftvoll, energiegeladen, verschafft sich Raum, stellt sich\u00a0anders dar als erwartet und bleibt doch immer auch poetisch, ber\u00fchrend.<\/span><\/p><p><span style=\"color: #ffffff;\">Ich m\u00f6chte das\u00a0an einem Beispiel demonstrieren, das Deine inhaltliche Arbeitsweise, wie ich\u00a0meine, wunderbar zu illustrieren vermag. Und das sehr anschaulich zeigt, dass\u00a0Deine Kunst durchaus keine Spielerei ist. Mit gro\u00dfer Ernsthaftigkeit und\u00a0Entschiedenheit n\u00e4mlich pr\u00fcfst Du beispielhaft die religi\u00f6sen Symbole der\u00a0christlichen Kirche bis zur letzten Konsequenz auf ihre Legitimit\u00e4t, ohne freilich\u00a0das sakrale Versprechen &#8211; die Spiritualit\u00e4t &#8211; zu denunzieren. Du wendest Dich\u00a0nicht ab, sondern du bringst verborgene Dimensionen zum Vorschein. So etwa,\u00a0wenn Du Dich auf die steinzeitlichen, weiblichen Figurinen beziehst, die f\u00fcr\u00a0den Anfang des Lebens stehen, heutigen Tags aber &#8211; wenn \u00fcberhaupt &#8211; nur noch\u00a0seelenlos in den Vitrinen der Museen ein trauriges Dasein fristen. Und wenn Du\u00a0die Linie unmittelbar fortsetzt zu Eva und weiter zu Maria und Maria Magdalena,\u00a0in der \u00dcberlieferung zur S\u00fcnderin stigmatisiert.<\/span><br \/><span style=\"color: #ffffff;\">Du hast Dich in\u00a0die R\u00e4umlichkeiten der Heiligkeit begeben und hast, wie es so Deine humorvolle\u00a0Art ist, erst einmal eine rote Funzel \u00fcber dem Eingang der Kirche aufgeh\u00e4ngt\u00a0und damit den Gl\u00e4ubigen schon mal klar gemacht, dass es hier zwei Seiten gibt,\u00a0wenn sie den Ort betreten: Madonna oder Hure? In den sakralen Geb\u00e4uden des\u00a0Patriarchats, als Peep-Show inszeniert, die gro\u00dfe Heuchelei, heute aktuell im\u00a0geradezu monstr\u00f6sen Ausma\u00df des sexuellen Missbrauchs. Das ist schon lange her, 1995,\u00a0aber Deine Figur \u201eNot for Sale\u201c kn\u00fcpft an diese Serie an und thematisiert die\u00a0Flucht der Kinder vor Krieg direkt in die Arme ihrer Vergewaltiger.<\/span><\/p><p><span style=\"color: #ffffff;\">Nun, Du hast\u00a0Dich dem Lebendigen verschrieben und stellst ganz ungeniert die Frage nach\u00a0seinem Wert in dieser Kultur. Indem Du den Zeitstrahl bis weit nach hinten und\u00a0weit nach vorne ausdehnst, Geschichte und Geschichten, alte Mythologien und\u00a0Alltagsmythen ausgr\u00e4bst und ihnen Gestalt verleihst, machst Du auf einen\u00a0Verlust aufmerksam, der uns alle betrifft. Deine Kunst der zerbrechenden Tradierungen \u2013 so m\u00f6chte ich sie mal nennen &#8211; ist in\u00a0ihrer ganzen Doppeldeutigkeit ausgesprochen klar. Zum Beispiel Deine Madonnen Figuren.<\/span><\/p><p><span style=\"color: #ffffff;\">Sie symbolisieren nicht die\u00a0Unbeflecktheit einer Heiligen, sondern ganz im Gegenteil den Ursprung eines lustvollen\u00a0Lebens. Luce Irigaray, die Philosophin aus Frankreich, hat mit ihrem sprachlichen\u00a0Speculum die Einkerkerung der\u00a0Weiblichkeit ausgeleuchtet: Weibliche Sexualit\u00e4t und Mutterschaft sind demnach unvereinbar\u00a0in dieser Welt des v\u00e4terlichen Logos, der die Erinnerung an das, was mal war,\u00a0ausgel\u00f6scht hat. Verst\u00f6rend deshalb der Blick in das Innere der \u201eVideo ma\u00a0Donna\u201c. Es sind die H\u00e4nde einer Hure, die sich da bewegen: Galanterie und\u00a0Verachtung, ausgedr\u00fcckt in einer einzigen Figur.<\/span><\/p><p><span style=\"color: #ffffff;\">Deine Plastiken\u00a0indes deuten zur\u00fcck auf die steinzeitlichen\u00a0Mutteridole und auf die kleinen Figurinen aus den Jahren Deines Studiums. Zugleich\u00a0aber weisen sie voraus, etwa auf\u00a0\u201ePaula\u201c. Paula Modersohn-Becker, die es als erste K\u00fcnstlerin 1907 gewagt hat,\u00a0sich nackt und schwanger darzustellen, selbstbewusst und voller Sch\u00f6pferkraft. Sie<\/span><br \/><span style=\"color: #ffffff;\">st\u00f6rte mit ihrem expressionistischen Tafelbild, wie auch Du heute mit Deinen\u00a0Tonskulpturen, das Einverst\u00e4ndnis in die kulturelle Hegemonie. Die \u201eSteinzeugin\u00a0Nr. 3\u201c (es gibt insgesamt vier davon): \u00fcberlebensgro\u00df steht sie stumm und blind\u00a0im Garten, bewegungslos bezeugt sie die uralte Unterdr\u00fcckung und ist doch\u00a0ausgestattet mit einer Kraft, die Befreiung verhei\u00dft. Den v\u00e4terlichen Logos,\u00a0das k\u00f6rperlose Wort der Bibel, bringst du so zum Verblassen.<\/span><br \/><span style=\"color: #ffffff;\">Dass Du Dich\u00a0als K\u00fcnstlerin nicht dem Diktat der kleinen Form beugst, sondern gro\u00dfe, schwere,\u00a0auf Dauer hin angelegte Kunstwerke schaffst, zeigt sich auch im Brunnenbau. Das\u00a0Wasser, die Wassertiere, die Wasserfrau, der Wasserelefant, das Wasserschloss,\u00a0alles Hinweise auf die Herkunft der Tiere und der Menschen aus dem Wasser. Du\u00a0gehst also noch einen Schritt weiter zur\u00fcck in die Vergangenheit, an den\u00a0Ursprung allen Seins und holst diesen Uranfang in das Bewusstsein zur\u00fcck. Aber\u00a0Du w\u00e4rest nicht Du, wenn Du nicht auch hier wieder dem Strom des Wassers \u00fcber\u00a0die Jahrhunderte bis in die Gegenwart hinein folgen w\u00fcrdest. Spurensuche betreibst\u00a0Du in den Tiefen der Archive, die nicht nur \u00fcber untergr\u00fcndige Wasseradern\u00a0Auskunft geben, an denen Du die Brunnen ausrichtest, sondern auch von\u00a0verborgenen Geschichten erz\u00e4hlen. Eingebrannt in Majolikafliesen sind sie unwiderruflich\u00a0auf den Pl\u00e4tzen Deiner Brunnen pr\u00e4sent, Orte der Kommunikation und des\u00a0Austauschs dar\u00fcber, was einmal war. Budenheim, Essenheim, Kressbronn&#8230;.<\/span><\/p><p><span style=\"color: #ffffff;\">Alle diese\u00a0Brunnen entstanden im Kollektiv. Albrecht hat die beschwerliche Arbeit der\u00a0Bauplanung auf sich genommen, Schulkinder und auch Deine eigenen Kinder haben\u00a0sich an der Gestaltung der Fliesen beteiligt und Du hast allem den k\u00fcnstlerischen\u00a0Rahmen verliehen. Kinder haben Dich immer wieder beim Schaffen Deiner\u00a0Kunstwerke begleitet, haben von Dir gelernt, um ihren eigenen Ausdruck zu\u00a0finden.<\/span><\/p><p><span style=\"color: #ffffff;\">Der Frosch, das\u00a0Wassertier. In Deinem Garten in Langenargen am Bodensee lebt eine Vielzahl\u00a0dieser Spezies, liebevoll gepflegt und aufmerksam beobachtet. Aber wer h\u00e4tte je\u00a0gedacht, dass den alten \u00c4gyptern die Fr\u00f6sche heilig waren, wie \u00fcberhaupt verschiedenen\u00a0anderen Kulturen auch? Wer h\u00e4tte je gedacht, dass Deine kugelrunden Froschskulpturen\u00a0kurz vor dem Sprung stehen? Energiespeicher! Und wer h\u00e4tte je gedacht, dass der\u00a0Froschsprung nach den Gesetzen der Schwerkraft gar nicht m\u00f6glich ist? Aber\u00a0dennoch geschieht er hundertfach! Nur der Frosch wei\u00df, wie es geht! Das Wunder\u00a0des Froschs: er steht f\u00fcr Heilung und Heiligung, es steht f\u00fcr Ruhe und Energie\u00a0genauso wie er Symbol der Wiederauferstehung ist. Schlie\u00dflich kann er, einmal\u00a0tiefgefroren wie tot, wieder zum Leben zur\u00fcckkehren. Abstrahiert, reduziert auf\u00a0eine Kugel, stellt er kulturhistorisch die vollkommene Form dar.<\/span><\/p><p><span style=\"color: #ffffff;\">Der Frosch kommt\u00a0in vielen archaischen Religionen vor. Aber wer h\u00e4tte je gedacht, dass er auch\u00a0im Christentum eine Rolle spielt? Mit dem Kreuz Christi auf dem R\u00fccken?<\/span><\/p><p><span style=\"color: #ffffff;\">Was Du in\u00a0Deiner Kunst zusammenbringst, ist f\u00fcr gew\u00f6hnlich getrennt, abgespalten,\u00a0diffamiert, bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Du bist im besten Sinne\u00a0Aufkl\u00e4rerin, die sich dem Leben verpflichtet f\u00fchlt, aber die Darstellung der\u00a0Gewalt nicht f\u00fcrchtet. Die Madonnen, die Huren, die Steinzeugen, die gequ\u00e4lte\u00a0Kreatur scheinen auf den ersten Blick so gar nichts mit den Fr\u00f6schen zu tun zu\u00a0haben. Aber der zweite Blick verr\u00e4t dann doch, dass Du die Gefahr kennst, ihr<\/span><br \/><span style=\"color: #ffffff;\">aber trotzt, weil Du in den unendlichen Stunden des Literaturstudiums, der\u00a0k\u00f6rperlich anstrengenden Arbeit mit Ton und der Auseinandersetzung mit Deinen\u00a0eigenen kreativen F\u00e4higkeiten Deine Artefakte zum Sprechen bringst. Der Frosch\u00a0zum Beispiel, eine Amphibie, lange Zeit verachtet, gewinnt seine geheiligte Seele\u00a0zur\u00fcck, der Hure verleihst Du W\u00fcrde, die Madonna befreist von ihrer\u00a0unk\u00f6rperlichen Mutterschaft und mit der stolzen Steinzeugin zeigst Du auf eine\u00a0Geschichte, die so nicht mehr stattfinden darf. Und den Hitler w\u00fcrdest Du am liebsten\u00a0auf den Mond schie\u00dfen. Vielleicht kann es der Papst ja richten, wenn er\u00a0mitfliegt.<\/span><\/p><p><span style=\"color: #ffffff;\">Und nun bin ich\u00a0zum Schluss bei einem Thema angelangt, das Dich schon lange bewegt. Eigentlich\u00a0schon seit Anbeginn Deines k\u00fcnstlerischen Schaffens. Niemals aber so ausgepr\u00e4gt, wie heute, wo Du selbstbewusst Dein gro\u00dfes Gem\u00e4lde \u201eFrieden\u201c an die\u00a0stra\u00dfenseitige Hauswand h\u00e4ngst. Darauf ein Gedicht der j\u00fcdischen Lyrikerin Rose\u00a0Ausl\u00e4nder: \u201eWiederk\u00e4uer\u201c<\/span><\/p><p><span style=\"color: #ffffff;\">Im \u00fcbers\u00e4ttigten<\/span><br \/><span style=\"color: #ffffff;\">Hungerjahrhundert<\/span><br \/><span style=\"color: #ffffff;\">kaue ich die\u00a0Legende\u00a0<\/span><br \/><span style=\"color: #ffffff;\">Frieden\u00a0<\/span><br \/><span style=\"color: #ffffff;\">und werde nicht satt<\/span><\/p><p><span style=\"color: #ffffff;\">Kann nicht verdauen<\/span><br \/><span style=\"color: #ffffff;\">die Kriege sie liegen<\/span><br \/><span style=\"color: #ffffff;\">mir wie Steine im\u00a0Magen\u00a0<\/span><br \/><span style=\"color: #ffffff;\">Grabsteine<\/span><\/p><p><span style=\"color: #ffffff;\">Der Frieden<\/span><br \/><span style=\"color: #ffffff;\">liegt mir am\u00a0Herzen\u00a0<\/span><br \/><span style=\"color: #ffffff;\">ich kaue<\/span><\/p><p><span style=\"color: #ffffff;\">das wiederholte\u00a0Wort\u00a0<\/span><br \/><span style=\"color: #ffffff;\">und werde nicht<\/span><br \/><span style=\"color: #ffffff;\">satt<\/span><\/p><p><span style=\"color: #ffffff;\">Du verbindest\u00a0das Grauen mit der Hoffnung, mit dem Bunten, dem Blumigen, malst und dr\u00fcckst\u00a0hier, wie auch in vielen Deiner anderen Kunstwerken die Utopie eines besseren\u00a0Lebens aus. Kein Ort, nirgends, aber immerhin in Deiner Kunst schon\u00a0gegenw\u00e4rtig.<\/span><\/p><p><span style=\"color: #ffffff;\">In diesem Sinne\u00a0w\u00fcnsche ich uns allen einen inspirierenden Rundgang, lustvolles Hinschauen und<\/span><br \/><span style=\"color: #ffffff;\">Hinh\u00f6ren und anregende Gespr\u00e4che.\u00a0<\/span><\/p>\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-f61faa2 elementor-widget elementor-widget-spacer\" data-id=\"f61faa2\" data-element_type=\"widget\" data-e-type=\"widget\" data-widget_type=\"spacer.default\">\n\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-spacer\">\n\t\t\t<div class=\"elementor-spacer-inner\"><\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/section>\n\t\t\t\t<section class=\"elementor-section elementor-top-section elementor-element elementor-element-b95ba79 elementor-section-boxed elementor-section-height-default elementor-section-height-default\" data-id=\"b95ba79\" data-element_type=\"section\" data-e-type=\"section\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-container elementor-column-gap-narrow\">\n\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-column elementor-col-100 elementor-top-column elementor-element elementor-element-dcdb19d\" data-id=\"dcdb19d\" data-element_type=\"column\" data-e-type=\"column\">\n\t\t\t<div class=\"elementor-widget-wrap elementor-element-populated\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-35cac8a elementor-widget elementor-widget-text-editor\" data-id=\"35cac8a\" data-element_type=\"widget\" data-e-type=\"widget\" data-widget_type=\"text-editor.default\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<p><strong>Priv.-Doz. Dr. Ralf Michael Fischer<\/strong><\/p><p><strong>\u00a0<\/strong><\/p><p>\u00a0<\/p><p>Das Oeuvre von Annette Weber zeichnet sich durch eine ungew\u00f6hnliche kreative Vielseitigkeit und Vielfalt aus.\u00a0<br \/>Sie setzt ihre Materialien aber dennoch sehr bewusst ein.\u00a0<br \/>Mit assoziativ-vielschichtigem Anspielungsreichtum verdichtet Annette Weber in ihrer Kunst Bez\u00fcge zu ihrer Biografie, zu aktuellen gesellschaftlichen Themen, zur Kunstgeschichte sowie zu\u00a0den jeweiligen Pr\u00e4sentationsorten \u2013 letzteres insbesondere in den Arbeiten f\u00fcr den \u00f6ffentlichen Raum.\u00a0<br \/>Von der bisweilen spielerischen Wirkung ihrer Werke darf man sich nicht ablenken lassen,\u00a0da diese ihre Hintergr\u00fcndigkeit und ihre subversiven Potenziale oft erst auf den zweiten oder dritten Blick offenbaren.\u00a0Sie sind im besten Sinne eine Herausforderung zum genauen, zum kritischen und vor allem zum kreativen Sehen. Als K\u00fcnstlerin ist sie gleichzeitig in verschiedenen Medien wie Bildhauerei, Malerei, Video und Performance zuhause.<\/p>\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/section>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Prof. Dr. Eva Borst Gedanken zur Ausstellung in Kaiserslautern 2023 \u00a0 Sehr geehrte G\u00e4ste,\u00a0 ich begr\u00fc\u00dfe Sie ganz herzlich zur Er\u00f6ffnung von Annette Webers Ausstellung hier in den Lebensr\u00e4umen Tromsdorf. 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