{"id":674,"date":"2019-05-08T06:36:56","date_gmt":"2019-05-08T06:36:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.annette-weber-allendorf.com\/?page_id=674"},"modified":"2022-09-19T10:07:29","modified_gmt":"2022-09-19T10:07:29","slug":"luftholen-rathaus-langenargen-2017","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/annette-weber-allendorf.com\/?page_id=674","title":{"rendered":"Luftholen, Rathaus Langenargen, 2017"},"content":{"rendered":"\t\t<div data-elementor-type=\"wp-post\" data-elementor-id=\"674\" class=\"elementor elementor-674\">\n\t\t\t\t\t\t<section class=\"elementor-section elementor-top-section elementor-element elementor-element-df60ed0 elementor-section-boxed elementor-section-height-default elementor-section-height-default\" data-id=\"df60ed0\" data-element_type=\"section\" data-e-type=\"section\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-container elementor-column-gap-default\">\n\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-column elementor-col-100 elementor-top-column elementor-element elementor-element-7edd5c2\" data-id=\"7edd5c2\" data-element_type=\"column\" data-e-type=\"column\">\n\t\t\t<div class=\"elementor-widget-wrap elementor-element-populated\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-1c8236f elementor-widget elementor-widget-image\" data-id=\"1c8236f\" data-element_type=\"widget\" data-e-type=\"widget\" data-widget_type=\"image.default\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"755\" src=\"https:\/\/annette-weber-allendorf.com\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Luftholen-1024x755.jpg\" class=\"attachment-large size-large wp-image-961\" alt=\"Narrenschloss niemand\" srcset=\"https:\/\/annette-weber-allendorf.com\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Luftholen-1024x755.jpg 1024w, https:\/\/annette-weber-allendorf.com\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Luftholen-300x221.jpg 300w, https:\/\/annette-weber-allendorf.com\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Luftholen-768x566.jpg 768w, https:\/\/annette-weber-allendorf.com\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Luftholen-960x708.jpg 960w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/>\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/section>\n\t\t\t\t<section class=\"elementor-section elementor-top-section elementor-element elementor-element-4d2b8aba elementor-section-boxed elementor-section-height-default elementor-section-height-default\" data-id=\"4d2b8aba\" data-element_type=\"section\" data-e-type=\"section\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-container elementor-column-gap-default\">\n\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-column elementor-col-100 elementor-top-column elementor-element elementor-element-4794404\" data-id=\"4794404\" data-element_type=\"column\" data-e-type=\"column\">\n\t\t\t<div class=\"elementor-widget-wrap elementor-element-populated\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-64cd3020 elementor-widget elementor-widget-text-editor\" data-id=\"64cd3020\" data-element_type=\"widget\" data-e-type=\"widget\" data-widget_type=\"text-editor.default\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<h4><\/h4>\n<p><strong>Katrin Seglitz<br><\/strong><strong>Einf\u00fchrung in die Ausstellung von Annette Weber<br><\/strong><strong>im Rathaus in Langenargen am 1.Juni 2017<\/strong><\/p>\n<p><strong><br><\/strong>Sich sammeln, Luft holen, Raum geben.<br>Ich nehme mir das jetzt mal raus, sagte sie.<br>Annette Weber hat sich rausgenommen aus der Tagespolitik, aus den Katastrophen, die anbranden, sobald man den Fernseher anmacht. Sie hat sich der Landschaft zugewendet, die vor ihrer Haust\u00fcr liegt, in der und durch die sie sich bewegt, die ihre Aufmerksamkeit auf sich zieht und mit sich rei\u00dft.<br>Wie kann man sich dieser Umgebung entziehen? Als K\u00fcnstlerin?<br>Will man sich ihr entziehen?<br>Das Sch\u00f6nste ist doch, sich ihr hinzugeben. Darum kommen die Menschen an den Bodensee, kommen nach Langenargen, um alles abzugeben, was sie bedr\u00fcckt und bek\u00fcmmert, um zur Ruhe zu kommen und sich dem Licht zu \u00fcberlassen, der Luft und dem Wasser, der Sicht auf die Berge.<br>Und genau das hat Annette Weber sich erlaubt mit dieser Ausstellung, sich rauszunehmen auch aus dem kritischen Anspruch, den sie an die Kunst und an das Leben hat, als eine, die im Dunstkreis der Nach-68er studiert hat in Mainz und in Saarbr\u00fccken.<br>Wir kennen die Zeilen von Brecht:<br>Was sind das f\u00fcr Zeiten, wo&nbsp;Ein Gespr\u00e4ch \u00fcber B\u00e4ume fast ein Verbrechen ist&nbsp;Weil es ein Schweigen \u00fcber so viele Untaten einschlie\u00dft!<br>Trotzdem hat Brecht von B\u00e4umen geschrieben &#8211; und Annette Weber hat beschlossen, trotzdem den See zu malen. Und die Berge. Und den Himmel. Und das Schloss. Obwohl ein Schloss ja sowas von&#8230; kitschig ist. Eigentlich.<br>Aber da steht es, auf der Landzunge, die in den See hineinragt.<br>Warum es nicht malen? Weil es auf allen Postkarten zu finden ist? Weil es ein beliebtes Fotomotiv ist f\u00fcr alle, die nach Langenargen kommen? Deshalb einen Bogen drumherum machen?<br>Nein, Annette Weber hat sich entschlossen, dem Schloss einen Platz auf ihren Bildern zu geben, es zum Bezugspunkt zu machen, zum Ausgangsort und Ziel visueller Ausfl\u00fcge \u00fcber den See, in die Berge und \u00fcber die Berge hinweg in den Himmel.<br>Auf ihren Bildern wird das Schloss zum Halt in der Haltlosigkeit der Elemente &#8211; Licht, Luft und Wasser. Ein m\u00e4rchenhafter Sehnsuchtsort, der materialisierte Wunsch eines monarchistischen Tr\u00e4umers. Ein pr\u00e4gnanter, auff\u00e4lliger Bau, das Wahrzeichen der Gemeinde Langenargen.<br>Es gab Vorg\u00e4ngerbauten, die R\u00f6mer hatten hier zwei Wacht\u00fcrme hingestellt, die Grafen von Montfort im 14. Jahrhundert die Veste Burg Argen, die w\u00e4hrend des 30-j\u00e4hrigen Kriegs zerst\u00f6rt und danach wieder aufgebaut wurde. Aus der Burg entstand ein Schloss, aus dem Schloss ein Gef\u00e4ngnis. Es verfiel, wurde zur Ruine. Auf deren Fundament Ende des 19. Jahrhunderts ein Lustschloss gebaut wurde.<br>Im maurischen Stil.<br>Lassen Sie mich einen Exkurs machen zum maurischen Stil.<br>Lassen Sie uns in den Brunnen der Geschichte springen, das scheint mir passend und wichtig f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis des Werks von Annette Weber, einer K\u00fcnstlerin, die immer wieder Brunnen entworfen und gebaut hat, einen Luftbrunnen in Essenheim und den Kompassbrunnen in Kressbronn.<br>Wer sind die Mauren?<br>Nomadisch lebende Berber aus Nordafrika, die ab dem 7. Jahrhundert von den Arabern islamisiert wurden und bei der Eroberung Spaniens halfen. Sie kamen aus Tunesien, Algerien und Marokko und brachten einen Baustil mit, der als maurisch bezeichnet wird. Eines der sch\u00f6nsten und bekanntesten Beispiele f\u00fcr diesen Baustil ist die Alhambra in Granada.<br>Im 19. Jahrhundert erwacht in Europa die Faszination an maurischer Kunst und Architektur. In der Stuttgarter Wilhelma wird ein Maurisches Landhaus gebaut und eine Damaszenerhalle &#8211; ja, Damaszener sind die Menschen aus Damaskus. K\u00f6nig Ludwig der II l\u00e4sst in Schloss Linderhof einen zauberhaften maurischen Kiosk bauen, und Wilhelm I., K\u00f6nig von Baden-W\u00fcrttemberg, baut Schloss Montfort.<br>\u00dcber die Namensgeber, die Familie der Montforts, ist das Schloss verwandtschaftlich verbunden mit Barbarossa, Herzog von Schwaben und Kaiser des deutsch-r\u00f6mischen Reiches. Der Rotbart Barbarossa brach 1189 zu einem Kreuzzug auf ins Heilige Land, mit 15.000 Menschen. Vermutlich waren auch Bewohner aus Langenargen dabei.<br>Die historischen Schichten, die sich aufbl\u00e4ttern lassen, machen Langenargen und Schloss Montfort zu einem weltl\u00e4ufigen Ort, zu einem Zeichen der Befruchtung der Kulturen, zu einem Zeichen der sehr vielf\u00e4ltigen, sehr unterschiedlichen Verbindungen von Orient und Okzident.<br>Gerade aktualisieren sie sich durch die Fl\u00fcchtlinge, die zu uns gekommen sind. Gerade wird ein neues Kapitel aufgeschlagen in dieser Geschichte. Und diese Schicht ist Gegenwart f\u00fcr uns. Nach allen Seiten hin offen.<br>In diese Offenheit hinein arbeitet Annette Weber.<br>Und auch, wenn sie entschlossen war, sich von den Problembergen abzuwenden und der Landschaft zuzuwenden, sind die Schichten der Geschichte pr\u00e4sent. Man entkommt ihnen nicht, und das will sie ja eigentlich auch gar nicht. Weil es sie immer wieder hineinzieht in den Brunnen der Zeit, eine Goldmarie, die f\u00fcndig wird, wenn sie sich fallen l\u00e4sst.<br>Auch in ihren Arbeiten kann man die Schichten entdecken, fr\u00fchere Arbeiten, das Motiv des Froschs, mit dem sie in den letzten Jahren viel gearbeitet hat, er taucht, wenn man genau hinschaut, aus der Tiefe einiger der hier ausgestellten Bilder auf und macht eine Zeit sichtbar, die mehrere tausend Jahre alt ist.<br>Annette Weber ist eine K\u00fcnstlerin, die schichtet. Die sich in den Brunnen der Zeit fallen l\u00e4sst und wochenlang abtaucht, wenn sie mit neuen Arbeiten beginnt.<br>In diesen Phasen lebe ich wie ein M\u00f6nch, sagte sie im Gespr\u00e4ch. Ich brauche Zeit und Ruhe, ich muss mich sammeln, um \u00fcberzeugende Arbeiten machen zu k\u00f6nnen.<br>Als sie anfing, mit dem Gedanken zu spielen, sich dem Schloss zuzuwenden, hat sie auch Das Schloss von Kafka gelesen, stellte aber fest, dass es Kafka um etwas ganz anderes ging als ihr. Die Lekt\u00fcre war trotzdem keine Sackgasse, in der Auseinandersetzung mit den Werken anderer K\u00fcnstler sch\u00e4rft sich der Blick auf den eigenen Weg.<br>Als sie beschloss, sich der Landschaft zuzuwenden, begann ein Prozess, der f\u00fcr sie begl\u00fcckend war. Und ist.<br>Mit Pastellkreiden und Kohle hat sie zeichnend und malend die Landschaft befragt, in der sie seit 19 Jahren lebt. Sie hat Stunden drau\u00dfen verbracht, Luft und Licht in sich aufgenommen, den Blick auf den See und die Berge, sie ist Teil der Landschaft geworden und die Landschaft ein Teil von ihr. Und dann hat sie losgelegt, dann haben sich die Eindr\u00fccke ihren Weg gebahnt aufs Papier.<br>Die Bilder, die entstanden sind, zeugen von der Meisterschaft, die ihr \u00fcber die Jahre und Jahrzehnte k\u00fcnstlerischer Arbeit zugewachsen ist.<br>Sie hat Bildhauerei und Malerei studiert, sie hat Frauenfiguren gemacht, die an die Venus von Willendorf erinnern und sich doch von dem Urbild l\u00f6sen. Annette unterlegte sie mit S\u00e4tzen von Ingeborg Bachmann, was mich ber\u00fchrt hat als Grenzg\u00e4ngerin zwischen den K\u00fcnsten, der Literatur, der Kunst und der Philosophie.<br>Von Februar bis Ende Mai sind die Bilder, die Sie hier sehen, entstanden. Wir sind Zeugen eines Arbeitsprozesses, in dessen Verlauf das Schloss erst einen zentralen Platz einnahm, dann aber in den Hintergrund getreten ist.<br>Mir gefallen die Bilder, sagte Annette, in denen das Schloss nur noch ein Hauch ist, eine Idee.<br>In diesem Vorgang \u2013 im Auftauchen und Verschwinden \u2013 hat sich ihr auch die Frage nach der eigenen Identit\u00e4t gestellt. Wer bin ich und wenn ja, wie viele? Nicht nur die Landschaftsmalerei hat sich in den letzten zweihundert Jahren befreit vom Zaumzeug akademischer Vorschriften, Zuschreibungen und Definitionen, sondern auch die Menschen in Europa.<br>Es geht um Freiheit. Und um Selbstbestimmung.<br>Lassen Sie mich hier einen zweiten Exkurs machen. Diesmal springen wir nicht in den Brunnen, sondern machen eine Himmelfahrt, einen Ausflug in die Landschaftsmalerei.<br>\u201eDer Himmel ist die Stimmgabel der Natur &#8211; f\u00fcr die Farbe, f\u00fcr den Grundton eines Bildes.\u201c<br>So hei\u00dft es in einem kunsthistorischen Buch \u00fcber Wolken.<br>Himmel und Wolken waren lange Zeit nur die Folie f\u00fcr das eigentlich Wichtige, f\u00fcr die Darstellung religi\u00f6ser, mythologischer oder geschichtlicher Ereignisse. Auch wenn Tizian bereits 1544 in einem Brief schreibt: \u201eAls die Menschenmenge mit fr\u00f6hlichem Applaus ihres Weges gegangen war, wandte ich (\u2026) meine Augen gen Himmel; dieser hatte noch nie seit Gottes Sch\u00f6pfung ein so sch\u00f6nes Bild von Licht und Schatten gezeigt. (\u2026) im Vordergrund schienen die H\u00e4user, obwohl sie doch aus wirklichem Stein, wie gemalt. Und den Himmel fand ich an einer Stelle klar und lebendig, an anderer tr\u00fcb und fahl. (\u2026) Oh, mit welch kunstvollen Z\u00fcgen f\u00fchrte da die Natur ihren Pinsel, malte sie den Himmel und setzte ihn von den Pal\u00e4sten ab&#8230;\u201c<br>So schw\u00e4rmt Tizian.<br>Aber erst Ende des 18. Jahrhunderts haben sie ihren Auftritt, dann r\u00fccken sie in den Fokus der Aufmerksamkeit der Maler und Malerinnen: der Himmel, die Wolken, das Licht. Ein Kreis franz\u00f6sischer K\u00fcnstler trifft sich um 1800 in Rom.<br>Sie verlassen die Ateliers, malen drau\u00dfen, Skizzen entstehen, einer von ihnen, Valenciennes, analysiert als erster systematisch die optischen Ph\u00e4nomene des Himmels: Luft und Licht, D\u00e4mpfe und Nebel, Wolken, Regen und Gewitter.<br>Das Studium des Lichts und der Wolken wird zur wichtigsten \u00dcbung der Landschaftsmaler, der Himmel ist l&#8217;\u00e2me et la vie \u2013 die Seele und das Leben eines Landschaftsbildes. Die Wolken sind nicht mehr Sessel und Sofas der G\u00f6tter. Stattdessen entstehen in der Malerei weite, von Licht erf\u00fcllte Landschaften. Die immer wieder von Wolken verschattet werden.<br>F\u00fcr John Constable sind die Wolken die Ikonen des Augenblicks, William Turner l\u00f6st in seinen Bildern die Unterschiede der Elemente auf und l\u00e4sst sie miteinander verschmelzen.<br>Das sind die V\u00e4ter, die Ahnen der Bodenseebilder von Annette Weber.<br>Sie setzt sich und das Schloss der Natur aus, die nicht nur gn\u00e4dig ist, sondern auch brutal sein kann, wenn es hagelt, st\u00fcrmt und schneit, zur falschen Zeit, etwa, wenn alles bl\u00fcht, so wie in diesem Jahr. In ihren Bildern transportiert sie atmosph\u00e4rische, aber auch subjektive Stimmungen.<br>Das Schloss wird zur Chiffre \u2013 dazu tr\u00e4gt bei, dass sie es immer aus dem gleichen Blickwinkel malt, links das Land, im oberen Drittel das Schloss, rechts der See, der ins Offene f\u00fchrt &#8211; dahinter die Berge.<br>Genius Loci hat sie das gr\u00f6\u00dfte Bild genannt.<br>Nur, wenn ich viel Kraft hatte, sagte sie, bin ich an dieses Bild gegangen.<br>Und es ist ein kraftvolles Bild geworden. Mit einer Materialisierung von Windst\u00f6\u00dfen und Lichtsetzungen, einem Schauer ins Bild gewehter Striche, die an Bl\u00fcten erinnern oder an Federn, hell, licht, gegl\u00fcckt das pastos auf die Leinwand aufgetragene Wei\u00df, in das Gelb hineinspielt, Blau und Gr\u00fcn.<br>Ich habe das festgehalten, sagte sie, was ich in der Landschaft erlebt habe in den vergangenen Monaten \u2013 als die Aprikosenb\u00e4ume gebl\u00fcht haben, als es dann schneite und der Schnee auf den Bl\u00fcten lag. Ein Bild hei\u00dft Saharasand und zeugt von den St\u00fcrmen, die \u00fcber die Alpen kommen und Sand mitbringen, aus der Sahara.<br>Beeindruckend auch das Narrenschloss, das entr\u00fcckt ist, ein Tanz aprikosenfarbener Lichter &#8211; vom Grau umschlossen und bedroht. E.T.A. Hoffmann erz\u00e4hlt in einer Geschichte von einem Maler, der ein gro\u00dfes herrliches Gem\u00e4lde beendet, das f\u00fcr ihn das wiedergewonnene Paradies darstellt. Seine Besucher k\u00f6nnen allerdings nur eine grau grundierte Leinwand erkennen.<br>Wie ist das zu verstehen?<br>Vielleicht als Parabel auf das Umkippen des Paradieses der F\u00fclle in das Paradies einer erwartungsvollen Leere.<br>Das Montforter Lustschloss, das der Ravensburger Oberamtsbaurat Gottlieb Pfeilsticker f\u00fcr K\u00f6nig Wilhelm I. im maurischen Stil errichtet hat, wird bei Annette Weber zum Luftschloss, es wird zu einer Art Schloss, zu einem Art-Schloss, einem Kunstschloss, es ragt ins Bild hinein,<br>es ist pr\u00e4sent und doch entr\u00fcckt,<br>mal nur ein Hauch,<br>mal \u00fcberbl\u00fcht<br>mal vernebelt,<br>mal umnachtet,<br>mal umst\u00fcrmt.<br>Da steht es. Ist anwesend und entzieht sich. Es sieht aus wie eine Schatulle, eine Schatzkiste. Der Turm ist der Griff. Den Turm greifend, k\u00f6nnte man die Kiste \u00f6ffnen. Und was ist drin? Geschichte. Und Geschichten. Von Annette, von ihrem Leben am See, mit ihrem Mann, mit ihren Kindern, mit der Kunst. Geschichten der Menschen in Langenargen. Geschichten von blauem Blut und rotem Blut und Bl\u00fcten. Aprikosen- und Pfirsichbl\u00fcten. Und einer Ahnung kommender Ernte, der Hoffnung, dass es auch in diesem Jahr wieder Fr\u00fcchte gibt, trotz Frost &#8211; H\u00e4nde voll \u2013 Fr\u00fcchte.<br>Die Bilder, die hier im Rathaus ausgestellt sind, sind die Fr\u00fcchte der Arbeit von Annette Weber. Ich w\u00fcnsche Ihnen viel Freude an dieser Ernte, m\u00f6gen die Bilder Ihre Wahrnehmung sch\u00e4rfen von See und Schloss, von Himmel und Bergen. Und, darauf m\u00f6chte ich auch hinweisen: es ist m\u00f6glich, sie zu erwerben.<\/p>\n<p><\/p>\n<h4><\/h4>\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/section>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Katrin SeglitzEinf\u00fchrung in die Ausstellung von Annette Weberim Rathaus in Langenargen am 1.Juni 2017 Sich sammeln, Luft holen, Raum geben.Ich nehme mir das jetzt mal raus, sagte sie.Annette Weber hat sich rausgenommen aus der Tagespolitik, aus den Katastrophen, die anbranden, sobald man den Fernseher anmacht. 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